Schreiben des Bewässerungsvereins vom 06.07.21

Zu der in der Dorfzeitung und auf dieser Webseite veröffentlichten Stellungnahme zur Bewässerungsstudie erreichte uns am 06.07.2021 dieses "Richtigstellung" genannte Schreiben. Die Veröffentlichung erfolgt mit dem Einverständnis des Bewässerungsvereins.

Nachfolgender Abschnitt gibt nicht die Meinung der Ökologischen Liste wider.

Richtigstellung zu: „Abstimmung zur Wasserstudie – Stellungnahme zum Antrag“

Vorab ein paar grundlegende Informationen zum Bewässerungsverein Bergtheimer Mulde um die Diskussion ganzheitlich beleuchten zu können.
Der Bewässerungsverein Bergtheimer Mulde hat sich im Oktober 2020 gegründet. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Durch den fortschreitenden Klimawandel und die damit einhergehenden Trockenjahre 2018 bis 2020 nimmt der wasserbedarf der Kulturen zu. Die Wasserrechte wurden bei Zuteilung um 20% gekürzt. Hinzu kommt der Wunsch der Betriebe dem schlechten Image in der Bevölkerung durch eine engagierte und transparent Öffentlichkeitsarbeit entgegen zu treten.

Hiermit möchten wir zudem auf die Punkte des oben genannten Artikels eingehen:

  1. Die angedachte Nutzung von Wasser aus dem Main für die Bewässerung um das Grundwasser zu schützen kann vom Freistaat Bayern gefördert werden. Umweltminister Herr Glauber, der den Freien Wählern angehört, hat hierfür die „Wasseroffensive Bayern“ ausgerufen. Hierzu ist wie genannt vorab eine Konzeptstudie zu möglichen Bewässerungsvarianten zu erarbeiten, die 150.000 bis 200.000 € kostet. Der Nettobetrag dieser Kosten wird zu 75 % vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg gefördert. Die restlichen Kosten werden vom Bewässerungsverein, dem Landkreis Würzburg und den Gemeinden der Bergtheimer Mulde getragen. Die Höhe der Gelder die die Gemeinden dafür zahlen ist somit sehr gering. Den Schutz von Trinkwasser als Steuergeldverschwendung darzustellen, zumal es sich beim Trinkwasser um ein Gemeingut handelt, ist für uns nicht nachvollziehbar. Die unterstellte Intransparenz ist unter anderem auf die Datenschutzgrundverordnung zurück zu führen, an die sich jeder Verein und auch jede Gemeinde zu halten hat. Eine Weitergabe von Mitgliedsdaten dient primär nicht dem Vereinszweck und Bedarf zuvor der Einwilligung.

  2. Die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen stellt kein kostenloses „Doping“ dar. Angefangen von den Erschließungskosten der Wasserentnahmestelle, den Betriebs- und Unterhaltskosten ist Bewässerung auch ein Kostenfaktor der berücksichtigt werden muss. Wie hierbei der dreifache Pachtpreis zu Stande kommt ist für uns nicht nachvollziehbar. Das von 39 Betrieben auch ein nicht unwesentlicher Anteil Nebenerwerbsbetriebe sind, wird hierbei nicht erwähnt, zeigt aber, dass mit klassischen landwirtschaftlichen Kulturen wie Getreide, Ölfrüchte, Zuckerrüben und Mais nur schwierig ein ausreichendes Familieneinkommen erwirtschaftet werden kann. Aus diesem Grund ist in der Region auch eine starke Ausrichtung auf andere Betriebszweige erfolgt, wie beispielsweise Biogas, Tierhaltung, Gemüsebau, Weinbau, Zierpflanzen und sonstige Sonderkulturen. Weiterhin kann jeder Landwirt dem Bewässerungsverein beitreten. Eine Steuerung der betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten von gemeindlicher Seite wird als keine sinnvolle Möglichkeit angesehen.

  3. Eine ergebnisoffene Studie ist unser Ziel. Jede Gemeinde in der Bergtheimer Mulde hat die Chance sich hierbei einzubringen. Die Gemeinde Unterpleichfeld hat sich jedoch dagegen entschieden, eine demokratische Entscheidung, die wir respektieren. Eine Nutzung von Wasser aus dem Ablauf der Kläranlage sehen wir Landwirte als hygienisch sehr kritisch an. Ziel ist es ein hygienisch einwandfreies Produkt zu erzeugen und keinen zweiten EHEC-Skandal. Ob die Verwendung von Nutzwasser in landwirtschaftlichen Kulturen in welchem
    Umfang möglich ist, wird zurzeit von einer Wissenschaftlichen Studie im Raum Schweinfurt untersucht. Die Ergebnisse liegen in ca. 5 Jahren vor.
    Der Stopp der Grundwasserentnahme konnte natürlich nicht genannt werden, da dies durch die Konzeptstudie ermittelt werden sollte, zu welchem Zeitraum wieviel Grundwassermenge reduziert werden kann. Ein Vorgreifen dieser Aussage wäre nicht Ergebnisoffen.

  4. Das Ziel dieser Studie ist ein Umstieg bei der Bewässerung von Grundwasser auf Mainwasser und nicht primär ein Wasserverband, dieser ist lediglich ein weiterer Schritt zum Ziel. Das Gründen eines Wasserverbands wäre sicherlich auch ohne die Studie vorab möglich, jedoch wird die Studie benötigt um für die spätere Umsetzung eine Förderung des Freistaats Bayern zu erhalten. Diese Förderung kann somit auch als Geldspritze für die Region angesehen und fördert nicht nur die Landwirte, sondern durch die Entlastung des Grundwasserkörpers kommt dies auch der Allgemeinheit zugute. Einen Baukostenzwang für Landwirte und Grundstückseigentümer gibt es nicht, dies ist eine komplett falsche Darstellung, Kosten zahlen lediglich die Mitglieder des späteren Wasserverbands. Vergleichbar ist die Verlegung von Wasserleitungen eher mit der Verlegung von Strom- oder Gasleitungen. Hierbei wird der Grundstückseigentümer entsprechend entschädigt.

Wir fühlen uns als Sonderkulturanbauer zu Unrecht an den Pranger gestellt. Versuchen wir doch nur qualitativ hochwertige Produkte aus der Region zu erzeugen, dass politisch doch auch immer gewünscht wird. Im Übrigen hat Deutschland ein Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse von 34 %, bildlich gesprochen kommen somit von 100 Krautsköpfen nur 34 aus Deutschland. Wäre es nicht schade zukünftig noch mehr Gemüse importieren zu müssen? Ein mangelndes Vertrauen sehen wir als unbegründet an, zumal dies auf lediglich einer Mail und einem Telefonat beruht. Gerne kann jeder Interessierte auf den Bewässerungsverein zukommen. Für konstruktive Gespräche sind wir immer bereit um die Region gemeinsam auf den Klimawandel vorzubereiten. Wäre es nicht schade wenn der Gemüsebau in der Region zurückgeht, da dieser und zum Großteil der Krautanbau so viel mit Tradition vor allem in Unterpleichfeld zusammen hängt?

Die Mitglieder des Bewässerungsvereins: Tobias und Lothar Wild, Wolfgang Wild, Familie Schlereth, Paul Strobel, Weingut Schmitt, Klaus-Peter Gerhard, Winfried und Michael Strauß, Tobias Sauer, Arthur Göbel, Sebastian Sauer, Jürgen Markert, Richard Konrad, Erhard Appelmann, Georg Zink (ein Mitglied möchte nicht genannt werden).

Antwort der ökologischen Liste hierzu:

Zu 1)

  • Der Schutz von Trinkwasser wurde im Leserbrief nicht als Steuergeldverschwendung bezeichnet – das Wort Trinkwasser kommt im Text überhaupt nicht vor.
  • Nennung der Mitglieder: Dem Datenschutz hätte man natürlich vor dem Antrag bei Gemeinde durch Einholen der entsprechenden Zustimmung Genüge tun können.

Zu 2)

  • Das kostenlos bezog sich auf das Wasser selbst. In Baden-Württemberg wir z.B. ein Wasserentnahmeentgelt von 5,1 Cent/m³ für Grundwasser verlangt. Bei den knapp 600.000 m³/a Grundwasserentnahme entspricht das 30.600€/a.
  • Von 39 Betriebe sind sicherlich viele Nebenerwerbslandwirte. Es ging mir einfach darum das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen (im Wasserverband / nicht im Wasserverband) darzustellen.

Zu 3)

  • Was ist daran ergebnisoffen, wenn nur untersucht wird, ob man aus dem Main die gewünschte Menge entnehmen kann? Das wurde schon geprüft und als möglich bewertet. Ergebnissoffen ist vielleicht, wo die großen Speicherbecken gebaut werden.

Zu 4)

  • Der Wasserverband wird m.E. benötigt, damit die notwendigen Leitungen und Bauten auch gegen den Willen der jeweiligen Grundstückseigentümer gebaut werden können (sicherlich mit Entschädigung – deren Höhe ist unklar, und es bleibt nun mal ein Eingriff in das Eigentum).
  • Die Frage nach dem Ausschluss des Baukostenzwangs ist z.Zt. beim LRA platziert. Nach heutigem Stand wird es kein Schriftstück geben, dass dies rechtssicher ausschließt.
  • Danke für die Nennung der Mitgliedsnamen (bis auf einen Betrieb).